Einfach so ...

 

An dieser Stelle verschenke ich wechselnde Wortspenden an die Menschheit.

(Mach damit, was du willst. Nur lasse sie bitte in meiner Urheberschaft)

 

Duanna Mund

Butscha

Neuerdings
gast die Pipeline Leben aus
ehe der Rubel rollt in Euro zurück,
besoldet mit Töchtern und Söhnen,
Müttern und Vätern,
einfach Männern und einfach Frauen,
zahlungskräftig selbst sie.

Neuerdings
bedeckt wieder der Leib einer Kopftuchfrau
den aufgeworfenen Hügel.
Hunde könnten rückkehren,
den Leichnam ein zweites Mal zu schänden
in der alten Nacht der Menschheit
vor dem Jüngsten Tag.

Neuerdings
ist sie, der alles genommen wurde,
eine von den Guten
und darf kommen.
Hoffnung?
Scheinheiligkeit?
Bis zuletzt, bis danach?

Neuerdings
geht im Osten der Krieg auf.
Erster Vogel, siehst du es nicht?
Sing für die Untoten,
die zu Stein erstarrten
für zukünftige Denkmäler
hüben wie drüben.

Sing,
wenn du meinst,
aber nicht
für mich.

 

zu Hause / 3. April 2022

Zu Gast

Wer seine Einladung erhält
schlägt sie nicht aus

An der Tafel die Toten
nie wieder los

auch Lebende
bloß verlierbarer

wie ich
aus Angst nur

Er hebt den Löffel
führt ihn zum Mund

Kommando
jetzt dürfen alle

Es wird geschluckt
was das Zeug hält

der Groll hinunter
gewürgt an

Schmach
Schimpf und Schande dazu

Er löffelt
nicht einmal die eigene Suppe aus

bricht das Brot des Gerechten
hebt den Wodka zu Ehren

eigener Größe
gottgleicher Macht

den Trinkspruch
auf Mütterchen Russland erhoben

Die Schattenhand mit der Gabel
Rechts schneidet

zwischen Recht und Unrecht
verzehrt gierig die Speise

zugleich sich selbst
bis auf den Schatten

seiner selbst
am verlierbarsten von allen

Gästen
rund um den Tisch

Die Toten nicken einander und ihm

kumpelhaft zu    

 

Island, Vík í Mýrdal / 11. März 2022

Verweintes Schneegesicht


Lidlos heute
Augen darin nur Augen darin
blutet der Krieg
schießpulvert der Himmel
bloß Himmel

und -Höllespiel
des Einen
GottIchOhGott Oh GottIchOhGott
scheint es verweint es

sein Schneegesicht

und ebnet die Leiter
für Frau und für Kind
bloß fort nur bloß fort
nur  … bloß
späht schon das Wolkenschaf

 

späht es und rudelt zusammen
den Wolf in die Spur
scheinverhandelt den Frieden
krüppelgebirkt in das Fenster der letzten
der letzten Nachhut


aus lidlos gebrochener Hoffnung
der Augen darin nur Augen darin

blutet der Frieden
schießpulvert der Himmel 

bloß Himmel


Snæfellsnes / 2. März 2022

Fallout

Sieh nur!

Von Osten her regnet es Friedenstauben
polarlichtet weiß dort
ohne Grün wie die?
ohne Rot wie das?
Weiß nur
und wund

Oh, sieh nur!

Schon liegen sie hoch am wogenden Strand
Federvieh auf Federvieh weiß nicht
mehr wohin?
weiß wie die?
Schwarz wohl
der Grund
 
Liegen wie Schmelze
wie Öl und wie Tod
vergast die Botschaft
der Tauben zu Kot
Augen hinauf
mit gebrochenem Blick
Leere der Himmel
IHN schert kein Geschick
knurren gefallene Bomben aus Lug
gurren von Mordlust
hier Krieg und dort Trug
weissagen das Ende
der Vogelflug spricht
flüstert dem blinden
Gott Odin Gericht
Halt ! ! !

Sieh nur!

Ein Rabe scheint´s haucht aus den Tauben nach Osten
Ist´s Hugin? Ist´s Munin?
Polardunkelt weiß dort
die Hoffnung wie?
das Blut wie?
Weiß auch
und Logos

Oh, sieh nur!

Vík í Mýrdal / 12. März 2022